Burnout - Mitten im Leben - Am Ende der Kraft

Der Dynamik des Erfolges

Wir alle sind trainiert – mehr oder weniger – in unserer Leistungsgesellschaft zu bestehen. Wir folgen ungeschriebenen Gesetzen, passen uns an, bringen uns ein und geben Tag für Tag unser Bestes. Und all dies um irgendwann Erfolg zu haben – um irgendwann das zu erhalten, was wir bewusst oder unbewusst erstreben, wünschen, hoffen, brauchen, wollen, suchen. Erfolg ist die Krönung all unserer Bemühungen. Und den erhalten wir dann auch - irgendwann - nachdem wir ...

So ist es doch? Nicht wahr? Oder doch nicht? Im Reich der Gebrüder Grimm mag dies in der Tat so funktioniert haben – ohne Ausnahme. Doch im täglichen Leben herrschen scheinbar andere Gesetze ...

Tagebuch - Mein Weg aus dem Burnout
01
Hier stehe ich nun. Mitten im Leben – am Ende meiner Kraft. Es wird mir zum ersten Mal in meinem Leben schmerzlich bewusst, dass auch meine Energie nicht unerschöpflich ist. Ich fühle, was es heißt, nicht mehr zu können, absolut nicht mehr zu können – gar nichts mehr. Überhaupt nichts mehr. Mein einziger Wunsch ist Ruhe, nur Ruhe. Niemanden hören, niemanden sehen. Niemand, der braucht, niemand der etwas erwartet. Auch ich nicht – nicht von der Welt und nicht von mir. Einfach Ruhe und Alleinsein. Ruhe - diese vier Buchstaben klingen verheißungsvoll. Und doch machen sie mir Angst. Ruhe, Schweigen, Stille. Doch was wir sie bringen, diese Stille ...

02
Der Wecker tickt beharrlich im Takt der Sekunden. Ich kann dieses Geräusch nicht mehr ertragen. Es ist laut – viel zu laut. Jedes Ticken setzt meine Kopfnerven in Schwingung - in eine unangenehme Schwingung, in eine unerträgliche Schwingung. Ich merke, wie Angst in mir aufsteigt. Bin ich verrückt? Werde ich jetzt verrückt? Es ist doch nicht normal, das Ticken der Uhr nicht zu ertragen. Es ist nicht wie bei einem Kopfschmerz. Es ist anders. Es ist nicht in dem Sinne ein Schmerz. Es macht mich wahnsinnig. Es ist mir zu viel. Ich will Ruhe. Ich will nicht mehr Denken.

Das Ticken der Uhr geht beharrlich weiter. Sonst gibt es keinen Laut. Ich habe das Gefühl, als ob mein Kopf von einem Netz von Abertausenden Nerven umspannt ist – und jeder einzelne Nerv liegt blank und beginnt zu vibrieren ...